Thorsten Goldberg

Thorsten Goldberg

// Architektur
// Installation
// Konzeptkunst
// Lichtkunst
// Medienkunst
// Skulptur/Plastik

Über mich

Thorsten Goldberg, 1960 Geboren in Dinslaken

Studium: Bildhauerei, Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Abschluss: Bildhauerei, Diplom


Meine Arbeit

(1) Stein, Papier, Schere – Markierung d. ehem. Grenzübergangs Oberbaumbücke Berlin
Bildrechte: ©T. Goldberg / VG Bildkunst

Zufallsgeschaltete Neonzeichen markieren den ehem. Grenzübergang in Berlin. Dem Zufallsprinzip folgend ist eine Seite der anderen überlegen oder unterlegen, ohne dass diese generell schwächer oder stärker wäre. Allein die Kombination erzeugt die jeweilige Machtverteilung: Rivalität, Machtspiel, Kräftemessen zweier Konkurrenten werden ironisch konkretisiert: Zwei Menschen stehen sich gegenüber und versuchen in einer Situation zu einer Entscheidung zu kommen, in der weder eine argumentative noch eine gewaltsame Lösung in Aussicht steht. Mit dem Glücksspiel werden die Teilung der Stadt und die Bedeutung der Brücke als innerstädtischer Grenzübergang künstlerisch aufgearbeitet. Mit reduzierten stilistischen Mitteln stellt sich die Frage, inwieweit politische Entscheidungen historischer Tragweite letztlich von Zufällen abhängig sind, also einen Moment der Willkür implizieren. Das Spielerische wird zum ironischen Kommentar auf die vermeintliche Zwangsläufigkeit im Wettkampf der Systeme.

(2) 24 kt – Nest aus Feingold und ein Vertrag für eine neue Grundschule
Bildrechte: © T. Goldberg / VG Bildkunst

Ein Nest aus Feingold dient als finanzieller und ideeller Grundstock für eine neue Grundschule in Berlin Marzahn-Hellersdorf. Ein Vertrag ermöglicht die Zerstörung und Veräußerung und stellt als Bedingung dafür die Bildung einer Gemeinschaft und die demokratische Entscheidungsfindung innerhalb der Schule. Das goldene Nest wird in einem gläsernen Wandsafe an zentraler Stelle im Schulgebäude sichtbar aufbewahrt – ein Schulschatz als gedankliche Projektionsfläche für die Schüler. Mit dem wertvollen Kunstwerk wird die Erlaubnis geliefert, es nach einer Schutzzeit von mindestens 14 Jahren zu zerstören und gegen etwas einzutauschen, das dann als notwendig erachtet wird. Der zum Kunstwerk gehörende Vertrag fordert immer wieder von Neuem dazu auf, die Kunst in Frage zu stellen und sich zu seinem Wert und zu seinem Verbleib zu bekennen. Der Berliner Senat hat zusätzliche elektronische Sicherungen im Gebäude und der Vitrine hergestellt und lässt das Kunstwerk durch einen Wachdienst sichern.

(3) 53°30’N – topografische Modelle von Gebirgslandschaften gleicher geografischen Breite, Edmonton
Bildrechte: ©T. Goldberg / VG Bildkunst

Die riesenhaften Modelle auf dem Gebäude erzählen von einer gedanklichen Reise entlang des 53. Breitengrades einmal um den gesamten Erdball herum: Wo kämen wir hin, gingen wir schnurgerade in eine Richtung, würden nicht anhalten und niemals abbiegen? Das strikte Folgen eines Breitengrades in Richtung Westen bezieht sich nicht nur auf das Spiel, einen Globus zu drehen und mit Spannung zu erwarten, auf welchen Ort der Finger weist, wenn die Welt zum Stillstand kommt – es wird auch eine historische Parallele gezogen: Hangelten sich doch Reisende und Seefahrer früherer Jahrhunderte möglichst entlang eines Breitengrades in Richtung Westen, da sich anhand des Sonnenstandes die geografische Höhe, auf der man sich parallel zum Äquator bewegte, relativ leicht bestimmen ließ. Doch war der Zug nach Westen nicht nur dem Drang nach besserem Verständnis der Erde, sondern zugleich der Verheißung geschuldet, auf ein bisher unbekanntes, jedoch als existent angenommenes paradiesisches Land zu stoßen.